Ein Treuhandbüro in Cham ruft an, weil das Kontaktformular seit „vielleicht zwei Monaten" keine E-Mails mehr zustellt. Wie viele Anfragen in dieser Zeit ins Leere gelaufen sind, weiss niemand. Aufgefallen ist es, weil eine Interessentin nach zwei Wochen telefonisch nachfragte, warum sich niemand melde.
Das ist der typische Fall. Nicht der Hackerangriff, nicht der Totalausfall — sondern die stille Störung, die niemand bemerkt, weil niemand hinschaut. Und sie ist teurer als jede Wartungspauschale, weil sie genau dort ansetzt, wo eine Website ihr Geld verdient.
Über Pflege wird trotzdem ungern gesprochen. Agenturen verkaufen lieber den Bau, und Betriebe hören lieber, dass danach Ruhe ist. Deshalb hier die unaufgeregte Fassung: was nach dem Launch tatsächlich anfällt, wie viel davon Sie selbst erledigen können, und ab wann sich eine feste Betreuung rechnet.
Was nach dem Launch wirklich anfällt
Fünf Punkte. Nicht fünfzehn. Wer Ihnen eine längere Liste verkauft, sollte für jede Position erklären können, was passiert, wenn man sie weglässt.
1. Die Technik unter der Seite altert — auch wenn die Seite gleich bleibt
Jede Website läuft auf einem Stapel Software, den Sie nie sehen: Webserver, PHP-Version, allenfalls ein Redaktionssystem mit seinen Erweiterungen. Diese Teile haben Ablaufdaten, und die sind öffentlich bekannt.
PHP zum Beispiel — die Sprache, auf der ein sehr grosser Teil der Websites läuft — folgt seit der Anpassung des Release-Zyklus einem Vierjahresmodell: zwei Jahre aktive Unterstützung mit Fehlerbehebungen, danach zwei Jahre nur noch Sicherheitskorrekturen. Ältere Zweige wie PHP 7.4 und 8.0 liefen noch nach dem alten Muster von zwei plus einem Jahr. Die Endtermine liegen jeweils auf dem 31. Dezember: PHP 8.2 endet Ende 2026, PHP 8.3 Ende 2027.
Für Sie heisst das konkret: Eine Website, die 2023 gebaut wurde und seither nicht angefasst wurde, läuft mit einiger Wahrscheinlichkeit auf einer PHP-Version, für die es keine Sicherheitskorrekturen mehr gibt. Das ist kein akuter Notfall, aber es ist eine Uhr, die läuft — und der Wechsel auf eine neuere Version ist ungleich unangenehmer, wenn man ihn drei Versionen lang aufgeschoben hat.
Der praktische Test. Fragen Sie Ihren Hoster in einer E-Mail: „Auf welcher PHP-Version läuft meine Seite, und bis wann wird diese Version noch mit Sicherheitskorrekturen versorgt?" Wer darauf keine klare Antwort bekommt, hat bereits eine Antwort.
2. Das Zertifikat — und warum es ab März 2026 häufiger dran ist
Das Schloss in der Adresszeile steht für ein TLS-Zertifikat, und Zertifikate laufen ab. Bisher war das für die meisten Betriebe ein Jahresthema oder, bei automatischer Erneuerung, gar keines.
Das ändert sich gerade. Das CA/Browser Forum — das Gremium, in dem Zertifikatsstellen und Browserhersteller die gemeinsamen Regeln festlegen — hat im April 2025 mit dem Beschluss SC-081v3 einen festen Fahrplan verabschiedet: Die maximale Laufzeit öffentlich vertrauenswürdiger TLS-Zertifikate sinkt auf 200 Tage ab dem 15. März 2026, auf 100 Tage ab dem 15. März 2027 und auf 47 Tage ab dem 15. März 2029.
Die Konsequenz ist einfach und wird trotzdem viele überraschen: Wer sein Zertifikat noch manuell erneuert — und das kommt bei älteren Setups häufiger vor, als man denkt —, muss das künftig mehrmals jährlich tun. Wer es automatisiert erneuern lässt, merkt von der ganzen Umstellung nichts. Es lohnt sich also einmalig zu prüfen, in welcher der beiden Welten Sie leben.
Warum das nicht bloss Technik ist: Ein abgelaufenes Zertifikat führt nicht zu einer langsameren Seite, sondern zu einer roten Warnseite im Browser, die den meisten Besuchern den Weg abschneidet. Es ist die einzige Störung auf dieser Liste, die eine funktionierende Website von einer Sekunde auf die andere unbenutzbar macht.
3. Inhalte veralten schneller als das Design
Das Design einer sauber gebauten Seite trägt fünf bis acht Jahre. Die Inhalte tragen selten zwei. Nicht die Texte über Ihre Haltung — die stimmen lange. Sondern die kleinen, überprüfbaren Angaben, an denen ein Interessent misst, ob Sie es ernst meinen:
Das Teamfoto mit zwei Personen, die nicht mehr da sind. Die Öffnungszeiten, die vor der Ferienregelung von letztem Sommer standen. Der Preis, den Sie inzwischen angepasst haben. Die Referenz, deren Firma es nicht mehr gibt. Der Hinweis auf ein Angebot, das im Frühling ausgelaufen ist.
Jede einzelne dieser Stellen ist harmlos. Zusammen erzeugen sie den Eindruck, den Sie am wenigsten brauchen: dass hier seit Längerem niemand mehr hinschaut. Bei beratenden Berufen — Kanzlei, Treuhand, Praxis — wiegt das schwerer als bei einem Restaurant, weil Ihre gesamte Leistung aus Sorgfalt besteht und die Website die erste Probe darauf ist.
Der Aufwand dafür ist überschaubar: zweimal im Jahr eine halbe Stunde, in der jemand die Seite mit den Augen eines Fremden liest und drei Fragen stellt — stimmt das noch, gibt es das noch, würde ich das heute so schreiben.
4. Erreichbarkeit merkt niemand — ausser Ihren Kunden
Zurück zum Treuhandbüro aus dem Einstieg. Formulare fallen aus, ohne dass etwas kaputt aussieht: eine geänderte Serverkonfiguration, ein Postfach, das voll ist, ein Spamfilter beim Empfänger, ein abgelaufener Zugang beim Versanddienst. Die Seite lädt, das Formular sendet, die Bestätigung erscheint — und die E-Mail kommt nirgends an.
Deshalb gehört zur Pflege zwingend ein wiederkehrender Selbsttest, und der besteht aus zwei Handgriffen: Schicken Sie sich einmal im Monat über Ihr eigenes Formular eine Testanfrage, und schauen Sie nach, ob sie im richtigen Postfach landet — nicht im Spam. Rufen Sie einmal im Quartal Ihre Seite auf dem Mobiltelefon über das Mobilfunknetz auf, nicht über das Büro-WLAN.
Das dauert zusammen keine fünf Minuten und deckt die häufigste stille Störung ab. Wer es systematischer will, lässt eine Überwachung laufen, die die Seite regelmässig abruft und meldet, wenn sie nicht antwortet — das ist in Betreuungspaketen üblicherweise enthalten und muss nicht separat gekauft werden.
5. Sicherungen, die man erst braucht, wenn es zu spät ist
Die meisten Hoster erstellen automatische Sicherungen. Das ist gut und wird trotzdem regelmässig überschätzt, weil zwei Fragen offen bleiben, die niemand stellt, solange nichts passiert ist.
Wie weit reicht die Sicherung zurück? Wenn ein Fehler erst nach drei Wochen auffällt, nützt eine Sicherung von gestern wenig — sie enthält den Fehler bereits.
Wer darf sie zurückspielen, und hat das schon einmal jemand getan? Eine Sicherung, deren Wiederherstellung nie geprüft wurde, ist eine Vermutung. Es reicht, sie einmal auf einer Testadresse zurückzuspielen — danach wissen Sie, dass es geht, und wie lange es dauert.
Dazu gehört ein Punkt, der technisch klein und praktisch entscheidend ist: Die Zugänge zu Domain, Hosting und Sicherungen müssen auf Ihren Namen laufen. Wer darüber noch nie nachgedacht hat, findet die fünf Fragen dazu im Beitrag Wem gehört Ihre Website. Eine tadellose Sicherung im Konto einer Agentur, zu der der Kontakt abgebrochen ist, ist keine Sicherung.
Drei Modelle — und für wen sie taugen
Aus diesen fünf Punkten ergibt sich der Aufwand, und aus dem Aufwand die Frage, wer ihn übernimmt. In der Praxis gibt es drei Antworten.
Selbst erledigen. Realistisch für schlanke Seiten ohne Redaktionssystem, wenn im Betrieb jemand ist, der sich zutraut, beim Hoster ein Ticket zu eröffnen und eine PHP-Version umzustellen. Kostet Geld nur beim Hosting, dafür Aufmerksamkeit — und Aufmerksamkeit ist die Ressource, die im Tagesgeschäft zuerst fehlt. Wer diesen Weg wählt, sollte sich zwei Termine im Jahr in den Kalender eintragen. Ohne Termin passiert es nicht.
Auf Zuruf. Es passiert etwas, Sie melden sich, es wird nach Aufwand abgerechnet. Ehrlich und für viele Betriebe genau richtig — mit einem Haken: Auf Zuruf funktioniert nur bei Störungen, die Sie bemerken. Die stille Formularstörung aus dem Einstieg gehört nicht dazu. Dieses Modell deckt Punkt 1, 2 und 3 ab, Punkt 4 und 5 nicht.
Feste Betreuung. Ein monatlicher Betrag, in dem Hosting, Aktualisierungen, Sicherungen, Erreichbarkeitsprüfung und ein Kontingent an Inhaltsänderungen enthalten sind. Bei uns ist das das Website-Abo ab CHF 100 im Monat. Es lohnt sich, sobald zwei Bedingungen zusammenkommen: Die Seite bringt messbar Anfragen — und im Betrieb ist niemand, der sich zuständig fühlt.
Was wir dazu offen sagen. Ein Abo ist nicht für jeden richtig. Eine schlanke, statisch gebaute Seite eines Einzelbetriebs, die zweimal im Jahr eine Textänderung braucht, fährt mit „auf Zuruf" günstiger. Wir sagen das im Erstgespräch auch dann, wenn daraus kein wiederkehrender Umsatz für uns wird.
Die Frage, die man vor jedem Wartungsvertrag stellen sollte
Wartungspakete sind schwer vergleichbar, weil sie unterschiedliche Dinge meinen. Vier Fragen machen sie vergleichbar — und sie gelten für jede Agentur, auch für uns.
Was genau ist enthalten, und was wird zusätzlich verrechnet? „Pflege" ist kein definierter Begriff. Enthalten sein sollten: Aktualisierungen der Technik, Erneuerung des Zertifikats, Sicherungen, eine regelmässige Erreichbarkeitsprüfung. Nicht selbstverständlich enthalten sind: neue Unterseiten, Textänderungen über ein Kontingent hinaus, neue Funktionen.
Wie schnell wird reagiert — und woran wird das gemessen? Eine Zusage wie „zeitnah" ist keine. Sinnvoll ist eine Angabe, die zwischen Ausfall und Änderungswunsch unterscheidet.
Was passiert am Ende? Kündigungsfrist, und vor allem: Bekommen Sie beim Ausstieg alle Dateien und Zugänge, ohne Diskussion? Das ist der Punkt, an dem Wartungsverträge unangenehm werden können.
Wem gehören Domain, Hosting-Konto und Sicherungen während der Laufzeit? Die richtige Antwort ist immer: Ihnen. Alles andere ist verhandelbar, das nicht.
Der Zehn-Minuten-Check
Sechs Handgriffe, für die Sie niemanden brauchen. Wer sie einmal macht, weiss, wo seine Seite steht.
1. Zertifikat prüfen. Klicken Sie im Browser auf das Schloss neben Ihrer Adresse und lassen Sie sich das Zertifikat anzeigen. Notieren Sie das Ablaufdatum. Fragen Sie beim Hoster nach, ob die Erneuerung automatisch läuft — spätestens ab März 2026 ist das die relevantere Frage als das Datum selbst.
2. Formular testen. Senden Sie sich über Ihr eigenes Kontaktformular eine Anfrage. Kommt sie an? Im Posteingang oder im Spam? Steht eine sinnvolle Absenderadresse drauf?
3. PHP-Version erfragen. Eine E-Mail an den Hoster, zwei Zeilen. Antwort in die Notizen.
4. Sicherung nachfragen. Wie oft wird gesichert, wie weit reicht es zurück, wer kann zurückspielen? Wenn Sie diese drei Antworten nicht innert eines Tages bekommen, ist das das eigentliche Ergebnis des Checks.
5. Inhalte gegenlesen. Team, Öffnungszeiten, Preise, Referenzen, Rechtsseiten. Stimmt alles noch? Bei den Rechtsseiten hilft die Liste im Beitrag zu Impressum, Datenschutz und Kontaktformular.
6. Tempo messen. Rufen Sie Ihre Startseite auf dem Mobiltelefon über das Mobilfunknetz auf. Fühlt sie sich träge an, sind die drei Werte, auf die es ankommt, im Beitrag Wie schnell muss Ihre Website sein erklärt — samt Anleitung, wie Sie sie selbst prüfen.
Wer alle sechs Punkte sauber beantworten kann, braucht keine Betreuung zu kaufen. Wer bei dreien passen muss, hat eine Antwort auf die Frage aus der Überschrift: Im Moment pflegt sie niemand.
Wie wir es halten
Wir bauen bewusst schlank. Die meisten unserer Seiten kommen ohne Redaktionssystem und ohne Erweiterungen aus — das ist der grösste einzelne Hebel bei den laufenden Kosten, weil ein Grossteil des üblichen Wartungsaufwands aus dem Nachführen von Erweiterungen besteht, die es bei uns nicht gibt. Wie das aussieht und wie schnell es lädt, sehen Sie an unseren Branchen-Demos.
Nach dem Launch gibt es zwei Wege: Wartung auf Zuruf nach Aufwand, oder das Website-Abo ab CHF 100 im Monat mit Hosting, Aktualisierungen, Sicherungen, Erreichbarkeitsprüfung und einem Kontingent für Inhaltsänderungen. Die Preise für den Bau stehen vollständig und ohne Sternchen auf der Preisseite — Vorentwurf CHF 190, Start CHF 1'200, Standard CHF 3'900, Premium CHF 6'900. Zur Einordnung im Markt haben wir Was kostet eine professionelle Website aufgeschrieben.
Und der Teil, der uns wichtig ist: Domain, Hosting-Zugang und Dateien laufen von Anfang an auf Ihren Namen — auch im Abo, auch wenn Sie irgendwann zu jemand anderem wechseln. Eine Betreuung, die daraus ein Druckmittel macht, ist keine Betreuung.
Häufige Fragen
Braucht eine Website nach dem Launch wirklich laufende Betreuung?
Ja, aber deutlich weniger, als oft verkauft wird. Fünf Dinge fallen tatsächlich an: die Server-Technik altert und muss aktualisiert werden, das TLS-Zertifikat muss erneuert werden, Inhalte wie Team, Öffnungszeiten und Preise veralten, die Erreichbarkeit will überwacht sein, und es braucht Sicherungen, die im Ernstfall auch zurückgespielt werden können. Für eine schlanke Seite ohne Redaktionssystem sind das wenige Stunden im Jahr, nicht wenige Stunden im Monat.
Warum werden TLS-Zertifikate ab 2026 kürzer gültig?
Das CA/Browser Forum hat im April 2025 mit dem Beschluss SC-081v3 einen Fahrplan festgelegt, der die maximale Laufzeit öffentlich vertrauenswürdiger TLS-Zertifikate stufenweise senkt: auf 200 Tage ab dem 15. März 2026, auf 100 Tage ab dem 15. März 2027 und auf 47 Tage ab dem 15. März 2029. Praktisch heisst das: Wer sein Zertifikat noch von Hand erneuert, muss das künftig mehrmals im Jahr tun. Wer es automatisiert erneuern lässt, merkt von der Umstellung nichts.
Was kostet die Pflege einer KMU-Website im Jahr?
Das hängt vom Aufbau ab. Eine schlanke, statisch gebaute Seite ohne Redaktionssystem und ohne Erweiterungen verursacht wenig laufende Arbeit; eine Seite mit Redaktionssystem, Erweiterungen und Formularlogik verursacht deutlich mehr. Bei uns gibt es zwei Wege: Wartung auf Zuruf nach Aufwand oder das Website-Abo ab CHF 100 im Monat, in dem Hosting, Aktualisierungen, Sicherungen, Erreichbarkeitsprüfung und ein Kontingent an Inhaltsänderungen enthalten sind. Entscheidend ist weniger der Preis als die Frage, was schriftlich zugesichert ist.
Stand und Fundstellen: September 2026. Angaben zum PHP-Lebenszyklus (zwei Jahre aktive Unterstützung, danach zwei Jahre Sicherheitskorrekturen; ältere Zweige nach dem früheren Modell zwei plus ein Jahr; Endtermine jeweils zum 31. Dezember): offizielle Übersicht der unterstützten Versionen auf php.net. Angaben zur Verkürzung der TLS-Zertifikatslaufzeiten (200 Tage ab 15.03.2026, 100 Tage ab 15.03.2027, 47 Tage ab 15.03.2029): Beschluss SC-081v3 des CA/Browser Forum vom 11. April 2025. Angaben zu Paketen und Preisen: unsere Preisseite, Stand September 2026. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung. Termine und Richtlinien ändern sich — prüfen Sie den Stand, bevor Sie darauf handeln.
Über uns: LMMeier ist eine Webagentur im Kanton Zug — Websites für KMU zum Festpreis, persönlich von Lisa und Matthias aus Baar. ← Alle Beiträge
Unsicher, wer Ihre Website gerade pflegt?
Nennen Sie uns im Erstgespräch Ihre Adresse. Wir gehen die sechs Punkte des Checks mit Ihnen durch und sagen Ihnen, was offen ist — auch dann, wenn die Antwort „nichts, lassen Sie es so" lautet und daraus kein Auftrag für uns wird.
